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Fakt 6: Die Flächenproduktivität der afrikanischen Landwirtschaft entspricht etwa der Hälfte der europäischen und weist innerafrikanisch noch größere Unterschiede auf.

Ein einfacher Vergleich der Flächenproduktivität (Ernteertrag in Tonnen pro Hektar) zwischen den fünf erfolgreichsten Agrar-Ländern (Top5) Subsahara-Afrikas und der EU für das Jahr 2007 verdeutlicht diesen Fakt. Zur Veranschaulichung wird der europäische Maisertrag mit dem afrikanischen verglichen. Zusätzlich werden die Erträge von Cassava und Kartoffel, aufgrund ihrer ähnlichen Beschaffenheit und ihrer Funktion als Grundnahrungsmittel für einen Vergleich herangezogen.

Der Maisertrag der Top5 Subsahara-Afrikas beträgt weniger als die Hälfte der EU-Top5, der bei 9,5 Tonnen pro Hektar liegt. Ein weiterer Vergleich der jeweiligen regionalen Spitzenreiter bekräftigt dieses Ergebnis. Der Maisertrag ist in Belgien um 35 Prozent höher als in Mauritius (7,7 Tonnen/ha), dem afrikanischen Spitzenreiter.

 

Top5-Länder der Maisproduktion in Subsahara-Afrika und in Europa (2007)

Subsahara-Afrika Europa
 Land  Ertrag (kg/ha)  Land         Ertrag (kg/ha)
 Mauritius  7.667  Belgien 10.335
 Reunion  7.000  Spanien 10.005
 Südafrika  2.876  Italien   9.144
 Äthiopien  2.725  Österreich   9.105
 Guinea-Bissau  2.370  Deutschland   9.085

Datenquelle: www.gapminder.org (Gapminder Agriculture, aus Datenbanken der FAO)

 

Bottom5-Länder der Maisproduktion in Subsahara-Afrika und in Europa (2007)

Subsahara-Afrika Europa
 Land       Ertrag (kg/ha)  Land  Ertrag (kg/ha)
 Eritrea  159  Bulgarien  1.459
 Botswana  214  Rumänien  1.740
 Somalia  421  Slowakei  4.275
 Lesotho  425  Litauen  4.815
 Angola  511  Portugal  5.540

Datenquelle: www.gapminder.org (Gapminder Agriculture, aus Datenbanken der FAO)

 

Die Resultate spiegeln sich auch in der Gegenüberstellung von Cassava und Kartoffel wider. Die Cassava-Ernte in Subsahara liefert 42 Prozent des Ertrags der europäischen Kartoffelernte (42,5 Tonnen/ha). Bei den kontinentalen Spitzenreitern liegt der niederländische Kartoffelertrag um 37 Prozent über dem Cassava-Ertrag im Niger (21,8 Tonnen/ha).

 

Top5-Länder der Cassavaproduktion in Subsahara-Afrika und der Kartoffelproduktion in Europa (2007)

Subsahara-Afrika Europa
 Land        Cassava-Ertrag (kg/ha)  Land  Kartoffel-Ertrag (kg/ha)
 Niger  21.818  Niederlande  44.721
 Reunion  20.000  Frankreich  43.248
 Malawi  16.539  Belgien  42.253
 Mali  16.400  Deutschland  42.000
 Mauritius  15.000  Vereinigtes Königreich  40.540

Datenquelle: www.gapminder.org (Gapminder Agriculture, aus Datenbanken der FAO)

 

Bottom5-Länder der Cassavaproduktion in Subsahara-Afrika und der Kartoffelproduktion in Europa (2007)

Subsahara-Afrika Europa
 Land    Cassava-Ertrag (kg/ha)  Land   Kartoffel-Ertrag (kg/ha)
 Sudan  1.667  Litauen  10.911
 Burkina Faso  2.000  Rumänien  12.370
 Gambia  3.000  Bulgarien  12.956
 Zentralafrikanische Rep.  3.005  Portugal  15.432
 Simbabwe  4.315  Lettland  15.891

Datenquelle: www.gapminder.org (Gapminder Agriculture, aus Datenbanken der FAO)

 

Die Unterschiede sind zwischen Subsahara-Ländern hoher (Top5) und niedriger (Bottom5) Flächenproduktivität im Vergleich zu Europa noch größer. Die Top5 in Subsahara-Afrika erzielen bei den mengenmäßig 10 wichtigsten Agrarprodukten den 3- bis 13-fachen Ertrag der fünf Länder mit der niedrigsten Produktivität. In der EU ist die Top5-Gruppe – mit der Ausnahme von Tomaten – höchstens 3-mal so produktiv wie die Bottom5-Gruppe, d.h. die Flächenproduktivität europäischer Länder liegt näher beieinander und verteilt sich gleichmäßiger auf den gesamten Kontinent.

 

Exkurs: Künstliche Bewässerung, verbesserte Getreidesorten und Düngemittelverwendung*

In Entwicklungsländern werden 85 Prozent des Frischwassers für die Agrarwirtschaft verbraucht. Während in Teilen Asiens, dem Nahen Osten und Nordafrika die Wasserreserven schrumpfen, gibt es in Subsahara-Afrika und Lateinamerika jedoch unerschlossene Wasserressourcen. Das Bewässerungspotenzial ist in Subsahara-Afrika besonders groß, wo nur 4 Prozent aller Anbauflächen künstlich bewässert werden, in Südasien 39 Prozent und im Nahen Osten und Nordafrika 33 Prozent (WB 2008: 9, 51-53, 64-65 und 182ff). 

Quelle: World Development Report 2008: 52

 

Auf Forschung basierende, den regionalen Verhältnissen angepasste Getreidesorten sind in Subsahara-Afrika deutlich weniger verbreitet als in anderen Regionen. Im Jahr 2000 wurde auf einem Viertel der Subsahara-Anbauflächen verbessertes Getreidesaatgut eingesetzt, in Asien auf etwa 80 Prozent und im Nahen Osten fast auf der Hälfte (WB 2008: 51-53).

Quelle: World Development Report 2008: 52

 

Ein weiterer wichtiger Grund für die anhaltend niedrige Produktivität ist der zu geringe und unregelmäßige Einsatz von Düngemitteln. Der Düngemittelverbrauch ist in Subsahara-Afrika 6-Mal so klein wie in Nordafrika und dem Nahen Osten. Bisher haben sich südlich der Sahelzone aufgrund geringer Absatzmengen (wenige zahlungskräftige Kleinbauern) und hoher Verkaufspreise (hohe Transportkosten) keine flächendeckenden Düngemittelmärkte entwickelt (WB 2008: 52f).

Quelle: World Development Report 2008: 52

*Anmerkung: alle Seitenangaben beziehen sich auf die englische Version des World Development Report 2008

 

Quelle: World Bank (2008): World Development Report 2008: 9, 51-53, 64-65 und 182ff

Anmerkung: World Development Report 2008: die Grafiken auf Seite 52 wurden mit Hilfe von Daten von Evenson, Robert E., and Douglas Gollin. 2003. “Assessing the Impact of the Green Revolution, 1960 to 2000.” Science 300(5620):758–62 und der FAO 2006a: “FAOSTAT”. Rome, Food and Agricultural Organization erstellt.